Katholische Kirche in Europa: Deutschland und Polen 1939/1945-1990
Kommission für Zeitgeschichte, Research Center, Bonn

Kommission für Zeitgeschichte

Katholische Kirche in Europa: Deutschland und Polen 1939/1945–1990

Zum 1. September 1989 – fünfzig Jahre nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges – veröffentlichten bundesdeutsche und polnische Katholiken eine Erklärung, in der sie gemeinsam für »Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in Europa« eintraten. Zweifellos wurde damit auch eine Bilanz der gemeinsamen Wegstrecke vorgelegt, deren Anfänge bis in die fünfziger und sechziger Jahre zurückreichten. 1995 – fünfzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges – erinnerten die Bischöfe Deutschlands und Polens an die im Januar 1945 erfolgte Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Zu einer gemeinsamen Erklärung kam es damals aber nicht, weil sich die Polnische Bischofskonferenz dagegen ausgesprochen hatte.

Die NS-Diktatur und ihre weitreichenden Folgen sind der entscheidende Dreh- und Angelpunkt im Spannungsverhältnis zwischen Deutschland und Polen seit 1939. Der Dialog zwischen beiden benachbarten Völkern bildete die unverzichtbare Grundlage für die bilaterale Versöhnung und ist inzwischen auch zur Grundlage für den Integrationsprozeß Polens in die Gemeinschaft der europäischen Staaten geworden. Individuelle wie institutionalisierte Initiativen der katholischen Kirche in beiden Staaten haben dazu einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet. Das gilt namentlich für das Maximilian-Kolbe-Werk (Stempin, Arkadiusz: Das Maximilian-Kolbe-Werk. Wegbereiter der deutsch-polnischen Aussöhnung 1960–1989) der deutschen katholischen Kirche.

Ziel des Projektes ist es, die bisher kaum beachtete Bedeutung der katholischen Kirche für die deutsch-polnischen Beziehungen historisch zu untersuchen und somit an einem gleichermaßen aufschlußreichen wie komplexen und brisanten Fallbeispiel die geschichtlichen Voraussetzungen für die angestrebte europäische Einbindung Polens aufzuzeigen.

Die Bedeutung der katholischen Kirche für die deutsch-polnischen Beziehungen läßt sich nur in einem weiten gesamtgeschichtlichen Kontext erforschen: Deutschland - d. h. bis 1989 die Geschichte von Bundesrepublik und DDR mit ihrer eigenen Genese von Einheit und Spaltung –, Polen und der Vatikan bilden ein spannungsreiches Beziehungsgeflecht mit jeweils eigenen immanenten und zugleich wechselseitig aufeinander ein- und zurückwirkenden Kräften, welches nur vor dem Hintergrund der gesamteuropäischen Macht- und Blockverhältnisse verständlich wird. Dieses komplexe Spannungsgefüge läßt sich auf verschiedenen Ebenen untersuchen, ohne daß sich diese strikt voneinander trennen lassen: die politische Ebene, gesellschaftliche Ebene, die innerkirchliche Ebene, die persönlich-individuelle Ebene.

Die Kommission für Zeitgeschichte an mehreren Forschungsprojekte zur deutsch-deutschen Geschichte seit 1945 beteiligt. Es handelt sich um die wissenschaftliche Edition der »Akten deutscher Bischöfe«, um die Sozialgeschichte des Klerus in der DDR sowie um die Aufarbeitung und Auswertung der Akten des Albertus Magnus Kollegs und der Theologischen Hochschule für heimatvertriebene Theologen in Königstein sowie des Vertriebenenbischofs Heinrich Maria Janssen. Die Erforschung der deutsch-polnischen Beziehungen im Spiegel der kirchlichen Kontakte schließt an diese laufenden Projekte an, indem es sie um die bedeutsame (ost-)europäische Perspektive erweitert und umgekehrt diese dadurch zusätzlich verstehbar macht.

In einem ersten Schritt sollen Erinnerungen und nicht aktenkundig gewordene Quellenzeugnisse noch lebender Zeitzeugen gesichert werden.

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