Hehl, U. v. / Kösters, Ch. (Bearb.): Priester unter Hitlers Terror. Eine biographische u. statistische Erhebung
Kommission für Zeitgeschichte, Research Center, Bonn

Kommission für Zeitgeschichte

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Hehl, Ulrich von / Kösters, Christoph (Bearb.): Priester unter Hitlers Terror.
Eine biographische und statistische Erhebung,
4., durchges. u. erg. Aufl., Paderborn [u. a.] 1998

(Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe A: Quellen, Bd. 37)

Ulrich von Hehl / Christoph Kösters (Bearb.): Priester unter Hitlers Terror. Eine biographische und statistische Erhebung, Bd. 1.
Ulrich von Hehl / Christoph Kösters (Bearb.): Priester unter Hitlers Terror. Eine biographische und statistische Erhebung, Bd. 2.

Ulrich von Hehl / Christoph Kösters (Bearb.): Priester unter Hitlers Terror. Eine biographische und statistische Erhebung, 2 Bde.

Die »politischen Geistlichen« waren nach dem Urteil Heydrichs – neben Juden, Kommunisten und Freimaurern – der »wichtigste Staats- und Volksfeind«. Der totalitäre Anspruch des Nationalsozialismus duldete keine politische oder soziale Opposition und erstreckte sich bis auf die ausschließliche Welt-und Sinndeutungskompetenz. So gerieten auch die christlichen Kirchen in das Fadenkreuz der Verfolgungsbehörden. Die vorliegende Dokumentation belegt dies eindrucksvoll am Beispiel des katholischen Klerus.

Mehr als 12 000 Fälle von Welt- und Ordenspriestern zeigen, wie lokale Machthaber, Gestapobeamte, Justiz und Verwaltung oder auch Denunzianten gegen die Geistlichen vorgingen. Das Verhör durch die Ortspolizei bildete oft nur den Auftakt einer ganzen Kette weiterer polizeilicher oder gerichtlicher Sanktionen wie Ausweisung, Geld- oder Freiheitsstrafen. 417 deutsche Priester wurden in ein Konzentrationslager eingeliefert, 109 von ihnen kamen dort ums Leben; 74 weitere Priester wurden hingerichtet oder ermordet. Insgesamt wurden über 38 000 Strafmaßnahmen und mehr als 26 000 »Vergehen« ermittelt. Alle Einzelschicksale sind zahlenmäßig erfaßt, ausgewertet und in einem biographischen Teil dokumentiert, der gegenüber früheren Auflagen erheblich erweitert ist.

Die Erhebung läßt erkennen, daß sich die Masse der Konflikte aus dem seelsorglich motivierten Beharren der Geistlichen auf uneingeschränkter Verkündigung und Dienst an der Gemeinde ergab, gelegentlich auch aus der Hilfe für Fremdarbeiter und Juden. Mehr als 40 % der »Fälle« hatten ihren Ursprung in der regulären Ausübung der priesterlichen Tätigkeit: beim Gottesdienst, in der Seelsorge, in der Schule oder in der Vereins- und Jugendarbeit. Im zeitlichen Längsschnitt werden unterschiedlich intensive Phasen des Kirchenkampfes mit auffälligen Schwerpunkten in den Jahren 1937/38 und 1941 erkennbar. Die für jedes Bistum gesondert erstellten Übersichten ergeben aber auch deutliche regionale Unterschiede. Zusammenstöße, das zeigt sich immer wieder, konnten zwar von reichsweiten Initiativen ausgehen, waren in der Regel aber von regionalen oder lokalen Besonderheiten beeinflußt. Auch die Persönlichkeit der betroffenen Geistlichen spielte eine große Rolle.

Statistische Auswertungen und biographische Dokumentation lassen ein ebenso dichtes wie vielgestaltiges Bild von Herrschaftsvollzug und priesterlichem Handeln im nationalsozialistischen »Maßnahmenstaat« entstehen. So leistet der Band unter dem Blickwinkel des Kirchenkampfes einen aufschlußreichen Beitrag zur Sozial- und Alltagsgeschichte der Jahre 1933–1945.

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